Kathrin Wawerla
Rechtsanwältin
Zastrowstraße 44
24114 Kiel

Telefon: 0431-690 271-0
Telefax: 0431-690 271-10
info@ra-wawerla.de

Bei Trennungen und Scheidungen sollten mehr als bisher die
Nöte der Kinder berücksichtigt werden. Das war die übereinstimmende
Auffassung aller Sachverständigen bei der Sitzung
der Kinderkommission des Deutschen Bundestages am 19. Oktober
2011. Die Vorsitzende Nicole Bracht-Bendt stellte fest: „Kinder
sind die Hauptleidtragenden bei einer Trennung, weil sie
beide Elternteile lieben. Ziel der Politik muss es sein, Scheidungskindern
eine Stimme zu geben.“ Die Kinderkommission
beabsichtigt, die Erkenntnisse dieser Experten in einer ihrer
nächsten Stellungnahmen aufzunehmen.
Der langjährige Familienrichter Jürgen Rudolph bemängelte die
fehlende Zusammenarbeit zwischen Familiengerichten, Psychologen
und Jugendämtern. Psychologische Erkenntnisse müssten
unbedingt mehr in die juristische Ausbildung einbezogen werden.
Ein interdisziplinärer Studiengang an der Universität Mainz
sei Vorreiter.
Prof. Dr. Thomas Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für
Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf, wies darauf hin, dass mit einer Scheidung die
Wahrscheinlichkeit für Auffälligkeiten bei betroffenen Kindern
deutlich steige. Kinder befänden sich häufig in einem Loyalitätskonflikt
und litten teilweise unter Entfremdung. „Eltern bleibt
man ein Leben lang“, so Prof. Schulte-Markwort. Eltern müssten
das Wohlergehen der Kinder über eigene Konflikte stellen.
Prof. Dr. Sabine Walper, Pädagogik-Professorin und Expertin für
den Umgang mit Scheidungskindern von der Ludwig-Maximilians-
Universität München, forderte im Scheidungsfall verpflichtende
Beratungen von Eltern und obligatorische Fortbildungen
von Richtern. Einhellige Meinung der Experten war, dass die
deutsche Gesetzgebung bei Scheidungsverfahren das Wohlergehen
der betroffenen Kinder in den Mittelpunkt rücken solle, statt
die Interessen streitender Eltern.
Pressemitteilung
Kinderkommission: Scheidungskindern eine Stimme geben
Berlin, 21. Oktober 2011
Herausgeber:
Referat Presse, Rundfunk, Fernsehen,
PuK 1
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon: +49 30 227-37171
Fax: +49 30 227-36192
pressereferat@bundestag.de